Abstract

Betrachten wir den analogen Stoffwechsel einer Stadt und die Mobilitätsströme an Gütern und Personen, die sie durchziehen, dann lässt sich „Stadt“ NICHT auf das Territorium innerhalb ihrer politischen Grenzen reduzieren: 

Graz Backstage untersucht die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der „Infrastrukturen“ zur Ver- und Entsorgung der Stadt: Verkehrskorridore, -netze, Flugverbindungen, Fahrzeuge aller Art, Güterumschlagplätze und Regelwerke, die den transnationalen Güteraustausch regeln. Verteilerzentren werden dabei nicht als ein singulärer Ort oder auf ein einzelnes Gebäude reduziert wahrgenommen, sondern als weiträumiges Netzwerk miteinander in Beziehung stehender Verkehrswege und „Knoten“, ohne die „Stadt“ heute nicht mehr existieren kann. Trotz Logistik 4.0 sind es Menschen aus unterschiedlichsten sozialen Milieus, die diesen Warenaustausch organisieren, die Lagerhaltung optimieren, den Verkehr regeln, die Fahrzeuge steuern und die Waren aus- und einladen. Für diese Akteur*innen stellen die vermeintlichen geschichtslosen Nicht-Orte an den Peripherien und ihre Satelliten in den Zentren jedoch sinnstiftende mit Geschichte(n) aufgeladene Lebenswelten dar. 

In einem 3-stufigen Prozess werden reale historische und aktuelle Entwicklungen sowie auch Forschungen zur Zukunft, die mit individuellen Schicksalen und lokalen Firmengeschichten verknüpft sind, in partizipativen Workshop mit Expert*innen des Logistik-Alltags recherchiert, kartographiert und projektiv in die Zukunft fortgeschrieben. Für soziale Knotenpunkte, wo sich möglichst viele von ihnen begegnen, werden visuell attraktive künstlerische Formate entwickelt, um diese teilfiktionalisierten Erzählungen (3D Netzwerkskulpturen mit Audiospuren) zurückzuspielen und die über diese Skulpturen vermittelten Inhalte mittels Busexkursionen aus dem Zentrum einem breiteren Publikum zu erschließen.